„Nacht der Solisten“ wurde zum „Abend

der Virtuosen“

von Harry Klofat

Den Auftritt von Dirigent Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer als Sänger des Swing-Klassikers „Just a Gigolo“ honorierten die Zuhörer mit begeistertem Applaus. Foto: Harry Klofat

Dirlewang „Ich bin stolz darauf, den Musikverein Dirlewang dirigieren zu dürfen“. Mit diesem Satz am Ende eines denkwürdigen Konzertes sagte Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer alles über eine „Nacht der Solisten“, die zum „Abend der Virtuosen“ wurde.

Herrmannsdörfer kann dies einschätzen. Er ist Profi, Arrangeur und Produzent für volkstümliche Musikstars wie Marianne und Michael, hat mit den Geschwistern Hofmann, Oswald Sattler, den Zillertalern und vielen anderen Größen zusammengearbeitet. „Heute abend aber standen nur Amateure auf der Bühne“, bedankte sich der Dirigent bei seinen Musikern, „was die Solisten und das Orchester geleistet haben, ist einzigartig.“

Kulturelles Highlight zwischen den Feiertagen

Das empfand auch das Publikum in der ausverkauften Dirlewanger Turnhalle so. Erneut war das Jahreskonzert das kulturelle Highlight zwischen den Feiertagen. Michael Rogg führte informativ durch das Programm. 15 Stücke, alle mit virtuosen Solisten, bedeuteten schweißtreibende Probenarbeit, jede Menge Adrenalin und am Ende einen Erfolg, über den man noch in vielen Jahre sprechen wird.

Zur Chronologie: Vier Fürst-Plesshörner zum Auftakt und dann das höllisch schwere Concertino von Carl Maria von Weber für Klarinette. Solist Bernd Frey in Bestform! Ein verswingter „türkischer Marsch“ von Mozart bot Peter Zwinger die ideale Gelegenheit an der Posaune zu glänzen, so wie sein Trompeter-Kollege Ralf Zink mit der bekannt-beliebten „Teufelszunge“. Magnus Natterer flehte auf seiner Trompete „Come back to Sorrento“ und Ralph Weiner weinte „Midnight Tears“, ebenfalls auf der Trompete. Und nochmals Posaune mit Solist Nobert Müller, „If you leave me“, und als kompletter Satz mit „Trombones on the run“.

Auf Trompeten folgten Pauken, meisterhaft bedient von Christoph Dechmann. Die zwei „kleinen Trommler“ Maximilian Herrmannsdörfer und Markus Briechle sowie Triangel-Solist Michael Rogg zeigten die Wandlungsfähgkeit des Schlagwerk-Registers.

Als „zwei lustige Burschen“ erwiesen sich die Hornisten Anton Blaschko und Florian Schmid. Die Klarinetten und die Saxofonisten überzeugen und zwitscherten fröhlich durch die „Zaunkönig Polka“ und „Saxofonia“. Daniela Reitebuch, Flöte und Melanie Jakob, Klarinette, rundeten mit dem „Bramstedter Marsch - muss i denn“ den Holzbläserreigen ab.

Orchester und Solisten wurden frenetisch gefeiert

Jemand in diesem Feuerwerk musikalischer Spielfreude herauszuheben, ist eigentlich unmöglich. Aber zwei Höhepunkte sind unbedingt erwähnenswert. Martin Hefele am Vibraphon erinnerte an den legendären Meister dieses sperrigen Instruments: „Tribute to Lionel Hampton.“ Da waren wir alle ganz plötzlich nicht mehr in der Turnhalle Dirlewang, sondern im Cotton Club in New York.

Im Nightclub blieben wir und staunten. Klaus-Jürgen Hermannsdörfer als Sänger! Nicht mit irgendeiner Polka, einem Schlager oder Walzer, sondern einem Swing-Klassiker: „Just a Gigolo“. Er, seine Solisten und das gesamte Orchester wurden frenetisch gefeiert.