An Tagen wie diesen spielten alle goldene Musik in einem Boot

Die große musikalische Wunschnacht in Dirlewang

von Harry Klofat

Die Dirigent Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer (Mitte) und die Musiker des Musikvereins Dirlewang boten ein bemerkenswertes Jahreskonzert: Über das Programm hatten die Zuhörer vorab im Internet abgestimmt. 

Dirlewang Das Beste kam zu Schluss: Zum fetzigen Abel Tasman Marsch, dirigiert von seinem Stellvertreter Andreas Stich, riefen Bilder das 20-jährige Wirken von Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer als musikalischer Leiter des Musikvereins Dirlewang in Erinnerung.

Wer allerdings dachte, dies sei es gewesen, der irrte. An Tagen wie diesen setzte Klaus Herrmannsdörfer als Sänger mit „An Tagen wie diesen“ selbst den Schlusspunkt unter ein in doppelter Hinsicht bemerkenswertes Jahreskonzert. Doppelt, weil zum einen Herrmannsdörfer ein erstaunliches Jubiläum feierte: 20 Jahre als ehrenamtlicher Chefdirigent am Pult des Musikvereins Dirlewang. Doppelt auch, weil diesmal nicht er das Programm auswählte, sondern per Internet-Voting das Publikum die große musikalische Wunschnacht zusammengestellt hatte.

Bevor die Stadionhymne der „Toten Hosen“ den Abend beschloss, war viel passiert. Gleich drei Moderatoren, Michael Rogg, Thomas Rauch und Tim Herrmannsdörfer, führten durch das Programm. Der Saal war bis zum letzten Stehplatz gefüllt und unter den Ehrengästen waren unter anderem Franz-Josef Pschierer, Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes und Bundestagsabgeordneter Stephan Stracke. Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer ist „einer der Besten im ASM“, lobte Pschierer, „und hat zweifellos auch die markanteste Haarpracht“.

Die Locken wallen fast so wie vor 20 Jahren und die Freude am gemeinsamen Musizieren auf höchstem Niveau zeichnet Herrmannsdörfer und die Dirlewanger Musiker ebenso lange aus. Und wer so gut ist wie diese Kapelle und dieser Dirigent, der macht vor schweren Stücken nicht Halt, sondern führt sie gerne auf. „Tirol 1809“, „Pirates of the Caribbean“, „At the Break of Gondwana“ und „Das Boot“: Damit hatte das Publikum gleich vier Meisterwerke der symphonischen Blasmusik ins Programm gewählt. Mit „The Magnificent Seven“ war sogar noch ein weiterer Klassiker der Filmmusik dabei. Allesamt eine Herausforderung, aber eben auch die Lieblingsstücke der Internet-Voter und vieler Musiker.

Doch es wurden nicht nur komplexe Rhythmen, überraschende Harmonien und filigrane Dynamik aufeinandergeschichtet, es gab auch leichtere Klänge mit allerdings hohen technischen Anforderungen. Montis „Csardas“ als Tuba-Solo von Peter Zwinger mitreißend dargeboten gehörte dazu und sein Kollege an der Trompete, Ralph Weiner, weinte „Nächtliche Tränen“ auf seinem Instrument. Walzer, Polkas und Märsche rundeten die Wunschnacht ab. „Zärtlichkeiten“ wurden verteilt, die „Goldene Musik“ und ein „Abend am Meer“ waren schunkeltauglich.

Wer noch mehr Lust auf Blasmusik in Dirlewang bekommen hat: Vom 14. bis 17. Juni begeht die Kapelle ihr 140-jähriges Bestehen mit einem „Musikanten-Fescht“. Unter anderem dabei sind „Mnozil Brass“. Für dieses Konzert am Montag, 17. Juni, gibt es bereits jetzt Karten im Vorverkauf bei der Mindelheimer Zeitung.