Marschmusik mal ganz anders

In Dirlewang beweisen die Musiker mit Dirigent Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer, wie vielfältig Blasmusik ist.

von Harry Klofat

Im vergangenen Jahr die bekanntesten Rocksongs, dieses Jahr die Parade der Märsche: Größer hätte der Kontrast kaum sein können beim Programm der Musikkapelle Dirlewang. „Wir wollten einfach zeigen, wie vielseitig Blasmusik ist“, erklärte Dirigent Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer beim Jahreskonzert in Dirlewang.

Wer nun bei diesem Konzert eine Aneinanderreihung traditioneller Märsche erwartet hätte, der staunte nicht schlecht. Die „Alten Kameraden“ kamen als Swing daher, der „Narhalla- und Radetzky-Marsch“ und viele andere populäre Stücke des Genres tauchten nur in jeweils wenigen Takten im Potpourri „Marsch Konfetti“ auf und beim „Einzug der Plagiatoren“ waren es gleich über 30 Märsche, die musikalisch persifliert zu einem munteren Ganzen zusammengefügt wurden.


Dem Publikum mal so richtig den Marsch geblasen haben die Dirlewanger Musiker unter Leitung von Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer. Beim Jahreskonzert bekamen sie dafür großen Beifall.

Ansonsten hatte Herrmannsdörfer die eine oder andere Überraschung parat. Ganz selten gehörte Stücke wie der „Grand March“ des Japaners Soichi Konagaya oder „Hands across the Sea“ von John Philipp Sousa, dessen „Stars and Stripes“ natürlich wesentlich populärer ist. Hier stand Andreas Stich am Pult. Der zweite Dirigent leitete die Musikkapelle auch beim „Maxglaner Zigeunermarsch“. Die Klassiker Mozart, Verdi und Bizet fehlten nicht in der Parade der Märsche. Doch daneben fanden auch Indiana Jones und das A-Team ihren Platz. Die zündenden Marschmelodien aus dem Film beziehungsweise der Fernsehserie hat eigentlich jeder im Ohr. „Salut Moskau“, den Bolero-orientierten „Orion Marsch“ und die portugiesischen Rhythmen bei „O Vitinho“ hört man hingegen selten. Dass es bei Märschen auch ganz ohne Blech funktioniert: Die elf Klarinettisten „feuerten los“ und rissen das Publikum mit.

Dies tat auch Peter Zwinger. Der Solist an der Tuba raste in atemberaubender Geschwindigkeit durch Wolfgang Amadeus Mozarts „Türkischen Marsch“. Was ursprünglich für Klavier komponiert wurde, das geht auf einer Tuba ebenso, wie Zwinger bewies.

 Nachdenklich ging das Konzert zu Ende. Ihrem in diesem Jahr verstorbenen Musikkameraden Rainer Palatzky-Schmid widmeten die Musiker den „Rainer Marsch“. Conferencier Michael Rogg erinnerte sowohl an Rainer Palatzky-Schmid, der auch lange Jahre als Vorstand den Musikverein Dirlewang geprägt hat, als auch an Walter Herrmannsdörfer, den Vater des Dirigenten, der ebenfalls 2015 starb. Ihm zu Ehren spielte die Kapelle den „Montana Marsch“ aus der Feder von dessen Bruder Heinz.

Wer übrigens die Musikkapelle Dirlewang gern rocken hören will: Klaus-Jürgen Herrmannsdörfer kündigte an, dass die „Rock Classics“, das Programm des Jahreskonzertes 2014, im kommenden Sommer als Open Air nochmals aufgeführt werden: „Den Termin werden wir rechtzeitig bekannt geben.“